Waldzyt - ein Projekt der 3./4. Klasse
Die alten Dakota .... wussten, dass das Herz eines Menschen, der sich der Natur entfremdet, hart wird. Sie wussten, dass mangelnde Ehrfurcht vor allem Lebendigen und allem, was da wächst, bald auch die Ehrfurcht vor den Menschen absterben lässt. Deshalb war der Einfluss der Natur, die den jungen Menschen feinfühlig machte, ein wichtiger Bestandteil ihrer Erziehung.
von Luther Standing Bear
Am Anfang stehen die eigenen Erfahrungen
Seit Herbst 1996 gestalte ich einen Teil des Mensch und Umwelt-Unterrichts draussen in der Natur. Regelmässig, d.h. alle zwei Wochen am Freitag Nachmittag, bin ich mit meinen Schülerinnen und Schüler in einem Waldstück oberhalb Brig unterwegs - dies bei jedem Wetter. Ich versuche die Kinder spielerisch und erlebnishaft in und an die Natur zu führen. Die Regelmässigkeit erlaubt uns intensiv Veränderungen zu beobachten und wahrzunehmen. Zuerst einmal schauen und erfahren und dann darüber sprechen. Durch das immer wieder Üben von Dingen suchen im Wald, bewusstes hören, an verschiedenen Natursachen riechen, gezieltes Ertasten von unterschiedlichen Bäumen, erhoffe ich mir Wahrnehmungsschulung, die sich in andern Bereichen auch auswirkt.
Mit diesen Streifzügen durch den Wald mache auch ich als Erwachsener gleiche Erfahrungen. Immer wieder Neues entdecken, nicht immer alles wissen und erklären müssen, staunen können. Auch ich stelle mir Fragen wie: Warum werden Blätter im Herbst braun? Sind alle Baumstämme gleich warm? Was für Knospen gibt es überhaupt? Welche Farben hat der Wald? Wie riechen eigentlich unsere Bäume? Es ist eine notwendige und bereichernde Erfahrung, an das stark kognitiv ausgerichtete Lernen das Sinnliche, Spielende, Erlebende hinzuzufügen. Folgende Elemente scheinen mir beim Heranführen der Kinder an die Natur wichtig:
Meine ganz persönlich Einstellung als Leitender und meine Erfahrungen als Erwachsener mit der Natur sind entscheidend.
Wie ich mit andern umgehe, so gehe ich auch mit der Natur um. Unsere soziale Beziehungsfähigkeit steht in unmittelbarem Zusammenhang mit unserer Beziehung zur Natur und unserem verantwortungsvollen Umgang mit der Natur.
Von der Erfahrung zum Wissen
Mit Erfahrungen beginnen und sich an dieser Betroffenheit Wissen aneignen. Die Sinne sind unsere Tore zur Welt. Wir riechen, betasten, berühren, lauschen, suchen, beobachten. J. Cornell schreibt dazu in seinem Buch "Mit Kindern die Natur erleben": "Lehre weniger und teile mehr von deinen Gefühlen mit. Sei aufnahmefähig. Sorge gleich am Anfang für Konzentration. Erst schauen und erfahren, dann sprechen. Das ganze Erlebnis soll von Freude erfüllt sein."
Man sollte im Unterricht in grösseren Zeiträumen denken
Die Wirkung von Umwelterziehung ist letztlich auf das spätere Leben als Erwachsener ausgerichtet, und darum auch durch Prüfungen beim Kind nicht abrufbar.
Naturerfahrungen und Erlebnisse erfordern ihre Zeit
Wie die Natur von ihrem Rhythmus lebt, sollten auch die Naturbegegnungen vom Rhythmus leben. Diese Erlebnisse können nicht schnell zwischen zwei Fächern gemacht werden. Das "immer wieder" ist ein wichtiger Aspekt. Man kann etwas oft hundertmal sehen, bevor man es zum erstenmal richtig sieht. Kinder brauchen auch hier Rituale an denen sie sich festhalten können. Ich bin überzeugt, dass unsere gemeinsamen Waldnachmittage einen positiven Einfluss auf das Klassenklima haben. Miteinander bewusst ruhig werden, an kleinen Dingen zu zweit forschen, alleine eine Zeichnung machen, gemeinsamer Austausch im Waldsofa, sind Formen dazu. Als gemeinsame "Erinnerung" führen wir in der Klasse ein Waldbuch. Darin befinden sich meine Vorbereitungen, sowie jeweils pro Nachmittag zwei Schülerberichte; zudem die erzählte Geschichte und sonst noch Gefundenes oder Gezeichnetes
Millius Hans-Ueli, August 2000
Waldzyt
Mit Kindern Natur erfahren
Begleittext der Berufseinführung; 48 Seiten A4, gebunden
Inhalt:
- eigene Erfahrungen
- Naturpädagogik
- Naturerfahrungen mit Kindern
- Wald erleben in den vier Jahreszeiten vier Vorbereitungen
- Kräuter und Kräfte
- Wir sind ein Rudel Wölfe
- Und was Kinder noch gerne im Wald machen
- Die fünfte Jahreszeit/die Rabenfeder zwei Geschichten
- das keltische Baumhoroskop
- Unterrichtsbausteine für US und MS
- Wald-Gedicht Gedicht-Wald -Lieder und Tänze
- Lebe wie ein Baum
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e-mail: hansueli.millius@rhone.ch